Das Besondere dieser Wiese

Antrag des Landesnaturschutzverbandes Baden-Würrtemberg

Der Landesnaturschutzverband hat gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz BW (BUND) und Naturschutzbund (NABU) einen Antrag auf eine Erhaltung des natürlichen Lebensraumes in Haselwald-Spitzmatten gestellt.

Dieser Arbeit ist es zu verdanken, dass das Leben in diesem Biotop sichtbar wird - herzlichen Dank dafür.

(Den ganzen Antrag gibt es hier zum Download.)

Was lebt hier?

Im Rahmen des Gutachtens der Bürogemeinschaft ABL Artenschutz, Biotoppflege und Landschaftspflege wurden im Gewann Haselwald-Spitzmatten 88 Vogelarten nachgewiesen. Die FFH Art Zauneidechse hat ein bodenständiges Vorkommen.

 

Mit 15 Heuschreckenarten, 115 Arten der Nachtfalter, darunter Rote-Liste Arten sowie der FFH-Art Großer Feuerfalter sind die Mähwiesen Lebensraum für viele selten gewordene Arten. In der Artengruppe Totholzkäfer wurden 134 Arten in den Eingriffsflächen nachgewiesen. Bemerkenswert sind die Funde von hochrangigen Rote-Liste Arten und „Urwaldreliktarten“.

 

Vorstellung der Bewohner

2.3.2 FFH-Arten in Haselwald-Spitzmatten:

 

Großer Feuerfalter (Lycaena dispar):

 

Als Art mit FFH-Status wurde der europarechtlich streng geschützte Große Feuerfalter (Lycaena dispar) nachgewiesen. Als Erhaltungsmaßnahmen für die Population sollten an standörtlich geeigneter Stelle Ruderalstadien geschaffen werden, in denen sich die Raupennahrungspflanzen, i.d.R. Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius), einstellen. Wichtig für eine erfolgreiche Reproduktion des Großen Feuerfalters sind hinreichend lange Ruhephasen, d.h. beispielsweise Mahd oder Mulchmahd mehrmals im Jahr sollte vermieden werden. Andererseits sind regelmäßige Eingriffe erforderlich, um die Vegetationsdecke in dem gewünschten Zustand zu erhalten. Hierfür bieten sich räumlich wechselnde Maßnahmen an, z.B. jährlich wechselnde Turnusmahd. Diese populationsstützenden Maßnahmen lassen sich am besten in Managementplänen eines FFH-Gebietes umsetzen.

 

 

 

Zauneidechse (Lacerta agilis):

 

Auf der Fläche von Haselwald-Spitzmatten gibt es ein bodenständiges Vorkommen der FFH Anhang IV Art Zauneidechse (Lacerta agilis). Als besonders geeigneter Lebensraum ist die FVA Fläche/Samenplantage zu nennen. Hier liegen die Sonnenplätze in den nicht gemähten Streifen entlang der Bäume. Die Eiablagestätten liegen vermutlich in Altgrasbereichen am Rand der Mähwiesen oder an Maulwurfhaufen und in Mauselöchern. Am Rand der DB-Trasse konnten ebenfalls Zauneidechsen nachgewiesen werden.

 

Zur Stützung der Population wären folgende Maßnahmen erforderlich:

 

- Anlage von Eiablagehabitaten (Sandhaufen, Weiche Erdhaufen, feiner Steingrus, Altgrasbereiche

 

- Anlage von ganztägig besonnten Sonnenplätzen (in ausreichender Größe in Relation zu dem zu vernichtenden Bestand)

 

- Erhalt des abwechslungsreichen weitgehend insektenreichen Umfeldes (Magerwiesen, Säume, etc.)

 

- Anlage von Ruhehabitaten/Verstecken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gelbbauchunke (Bombina variegata):

 

Das Biotop „Tümpel am Haselwald“, welches aufgrund der 1995 noch offene Wasserflächen enthalten haben muß, ist kein Laichgewässer mehr. Hier wäre eine Neuanlage und entsprechende Pflege nötig. Im benachbarten FFH-Gebiet kommt die Gelbbauchunke in der ehemaligen Tongrube „Dachsrain“ am südwestlichen Rand des FFH-Gebietes (südlich Windenreute) vor. Auch im benachbarten Hornwald konnte die FFH-Art nachgewiesen werden. Die Gelbbauchunke befindet sich in Deutschland in einem schlechten Erhaltungszustand. Der ursprüngliche Lebensraum des kleinen Froschlurchs mit der charakteristisch gelb-schwarz gefleckten Unterseite umfasst in erster Linie die Auenbereiche von Flüssen und Bächen. Doch heute kommen Gelbbauchunken meist nur noch in vom Menschen geschaffenen sogenannten Sekundärlebensräumen vor. Bei Anlage geeigneter Laichgewässer wären auch die Flächen von Haselwald-Spitzmatten mit ihren Biotopverbund aus Fließgewässer, Gehölzgruppen und extensiven Wiesen ein geeigneter Lebensraum für diese Ziel- und Leitart des Naturschutzes.

 

 

 

Fledermäuse:

 

Aufgrund des Vorkommens zahlreicher Baumhöhlen und günstiger Nahrungsräume, sowie Leitlinien ist mit Fledermausvorkommen zu rechnen. Diese Gruppe wurde jedoch bisher nicht untersucht.

 

 

 

2.4. Weitere wertgebende Arten:

 

2.4.1. Vögel:

 

Für die Fläche von Haselwald-Spitzmatten sind für das Untersuchungsjahr 2016 insgesamt 47 Arten als Brutvogel oder möglicher Brutvogel nachgewiesen worden. 16 Arten sind Gastvögel, d.h. sie wurden einfach oder mehrfach nicht ziehend gesehen oder festgestellt, aber besitzen voraussichtlich keine wichtigen Nahrungsflächen auf der Fläche. 12 Arten sind regelmäßige Nahrungsgäste, welche durch den absoluten Flächenverlust in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. 2 Arten sind als Wintergast und 13 Arten als Durchzügler festgestellt worden.

 

 

 

Für Arten mit ungünstigen Erhaltungszuständen (Rote Liste bzw. Vorwarnlistenstatus oder Risikozuschlag) werden hier kurze Steckbriefe angegeben.

 


 

Neuntöter/ Rotrückenwürger Zwei Reviere des Neuntöters liegen in der FVA-Fläche nachgewiesen werden. Die hohe Dichte der Art läßt sich durch das Vorhandensein artenreicher Wiesen, insektenreicher Säume, freier Ansitzwarten (abgestorbene Gehölzspitzen) und eine sehr hohe Zahl an dichten Brutgehölzen erklären. Durch die Entnahme einiger Eschen ist das Gebiet sonniger geworden und der Insektenbestand hat vermutlich davon profitiert. Das Nest des Neuntöters wird jedes Jahr neu gebaut (Freibrüter!) und liegt in der Regel bis zu 2 m hoch in einer Dornenhecke. Die Nahrungsflächen liegen auch innerhalb der Mähwiesen. Der Neuntöter zählt nicht zu den siedlungstoleranten Arten.

 

 

 

Grauschnäpper Die zwei Revierzentren des Weitstreckenziehers Grauschnäpper liegen in Baumhecken und in einer alten Eiche am Galeriewald des Brettenbaches. Die Nester werden in Halbhöhlen gebaut. Aufgrund der geringen Zahl alter Bäume und damit einem Defizit an Höhlen in der FVA Fläche ist das Habitatpotential dieser Art in der Fläche nicht ausgeschöpft. Essentielle Requisiten sind zusätzlich: insektenreiche Säume, totholzreiche Altgehölze mit Ansitzwarten und Singwarten. Der Grauschnäpper ist nicht sehr scheu, aber anspruchsvoll was die Güte der Habitatqualität betrifft und die Art ist hochgradig empfindlich gegenüber hohen Katzenbeständen.

 

 

 

Gartenrotschwanz Der Gartenrotschwanz besiedelt Obstwiesen, lichte Wälder, naturnahe Gärten mit reichhaltigem Insektenangebot und sucht seine Nahrung bodennah und in der Krautschicht. Wiesengebiete mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten und stehenbleibenden Säumen stellen Optimalgebiete dar, wenn gleichzeitig Brutbäume und Singwarten vorhanden sind. Die Nester werden in Höhlen und Halbhöhlen gebaut. Die Art wurde in der FVA Samenplantage mehrfach mit revieranzeigendem Verhalten festgestellt. Die Art muß aufgrund der Beobachtungen formell als möglicher Brutvogel eingestuft werden. Aufgrund der hervorragenden Habitatqualität ist ein bodenständiges Vorkommen wahrscheinlich.

 

 

 

Girlitz Aufgrund der hohen Saumdichte, dem Vorkommen insektenreicher Krautsäume und einer ausreichenden Anzahl an Singwarten und Brutgehölzen ist Haselwald-Spitzmatten und der angrenzende Raum dicht mit der kleinen Finkenart Girlitz besiedelt. Ein direkt betroffenes Revierzentrum liegt in der FVA-Fläche auf einem Feldgehölz.

 

 

 

Goldammer Drei Revierzentren der Goldammer liegen in der Fläche von Haselwald-Spitzmatten. Die Goldammer ist ein Agrarvogel und sucht ihre Nahrung am Boden, bodennah und in der Krautschicht. Singwarten, Brutbüsche, Äcker mit gut entwickelter Segetalflora, Ruderalfluren und samenreiche Hochstaudenfluren sind weitere essentielle Requisiten. Wiesengebiete mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten und stehenbleibenden Säumen stellen ebenfalls günstige Gebiete dar. Die Nester werden in Hecken und Büschen recht bodennah gebaut. Die Art ist nicht siedlungstolerant und erleidet aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft Verluste.

 

 

 

Weitere Brutvögel auf der Fläche von Haselwald-Spitzmatten sind: Kohlmeise, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Amsel, Buchfink, Grünfink und Distelfink.

 

 

 

Fitis Im Galeriewald am Brettenbach und in den gebüschreichen Parkanlagen des ZfP Geländes wurden 2 Reviere festgestellt. Der Fitis benötigt gebüschreiche Habitate mit hohem Saumanteil. Ein Teilrevier überlappt mit der Fläche von Haselwald-Spitzmatten. Nahrungsflächen liegen innerhalb der Wiesen und Obstbaumbestände am Brettenbach

 

 

 

Star 5 Revierzentren liegen angrenzend an Haselwald-Spitzmatten. Kolonieartiges Brüten ist für den unmittelbar an die Fläche angrenzenden Baumbestand am Brettenbach nachgewiesen. Die Brutplätze liegen zum Teil in sehr alten Pappeln in Naturhöhlen. Der bundesweit rückläufige Star ist auf Höhlenbäume und ausreichenden Grünlandanteil angewiesen.

 

 

 

Wachholderdrossel Die kolonieartig brütende Art besitzt ca. 6 Brutpaare an 3 Standorten im 100m Umkreis. Die Wiesen Haselwald-Spitzmatten stellen zumindest für den Koloniestandort bei der Brücke zum ZFP Gelände ein wichtiges Nahrungsgebiet dar.

 

 

 

Trauerschnäpper Die inzwischen stark abnehmende Art der Vorwarnliste wurde nahe der FVA Samenplantage mit revieranzeigendem Verhalten (Gesang) festgestellt. Die Art muß aufgrund der Beobachtungen formell als möglicher Brutvogel eingestuft werden. Aufgrund des Vorhandenseins von zahlreichen Nistkästen und der Habitatqualität ist ein bodenständiges Vorkommen im ZFP Gelände möglich.

 

 

 

Feldsperling 2 Revierzentren des Feldsperlings liegen im Umfeld der Fläche. Die Art ist ein Agrarvogel und sucht ihre Nahrung am Boden und bodennah in der Krautschicht. Höhlenbäume oder Nistkästen, Äcker mit gut entwickelter Segetalflora, Obstwiesen Ruderalfluren und Hochstaudenfluren sind weitere essentielle Requisiten der Brutreviere. Die rückläufige Art ist auf eine bäuerliche Struktur der Landschaft (u.a. auf Obstwiesen) angewiesen.

 

 

 

Weitere Brutvögel im 100m Umkreis der Flächen von Haselwald Spitzmatten sind: Türkentaube, Waldkauz, Eisvogel, Elster, Blaumeise, Gartengrasmücke, Kleiber, Gartenbaumläufer, Zaunkönig, Wasseramsel, Singdrossel, Rotkehlchen, Gebirgsstelze, Bachstelze und Kernbeißer.

 

 

 

Zusätzliche Brutvogelarten, die nicht bereits in der Fläche und im 100m-Puffer brüten sind Stockente, Ringeltaube, Grünspecht, Buntspecht, Pirol, Sumpfmeise, Schwanzmeise, Sumpfrohrsänger, Sommergoldhähnchen, Hausrotschwanz, Heckenbraunelle und Haussperling.

 

 

 

Rot- und Schwarzmilan, Weißstorch, Mäusebussard, Turmfalke, Graureiher, Mauersegler, Alpensegler, Rauch- und Mehlschwalben, Eichelhäher haben den Status als "regelmäßiger Nahrungsgast" und weisen eine regelmäßige Raumnutzung auf. Rotdrossel und Silberreiher wurden als Wintergast festgestellt. Beim Silberreiher wurden bis in den April hinein regelmäßig bis zu drei Individuen beobachtet.

 

 

 

 

 

 

 

2.4.2. Schmetterlinge:

 

Bei Kartierungen 2016 konnten insgesamt 115 Arten im Gebiet von Haselwald-Spitzmatten registriert werden.

 

 

 

Unter den Arten der Nachtfalter sind einige, die auf extensiv genutzte, ungedüngte Offenlandflächen mit nicht zu hohem Gehölzanteil angewiesen sind. Diese können in der ansonsten überwiegend intensiv landwirtschaftlich genutzten Landschaft der Oberrheinebene als Indikatoren für eine lokale Bedeutung der Flächen von Haselwald-Spitzmatten dienen. Zur Gruppe dieser lokal wertgebenden Arten gehören:

 

Lasiocampa quercus (Eichenspinner), Euthrix potatoria (Grasglucke), Talpophila matura (Gelbflügel-Raseneule), Noctua orbona (Schmalflügelige Bandeule), Scopula nigropunctata (Eckflügel-Kleinspanner), Scopula immutata (Vierpunkt-Kleinspanner), Idaea muricata (Purpurstreifen-Zwergspanner), Idaea subsericeata (Graulinien-Zwergspanner), Idaea rusticata (Südlicher Zwergspanner).

 

Besonders hervorzuheben sind Arten, die auf solche nicht oder nur schwach genutzten „Nischen“ in der Kulturlandschaft angewiesen sind und zugleich ihre Verbreitungsschwerpunkte in den unter intensivem Nutzungsdruck stehenden Niederungen von Oberrheinebene, Kraichgau, Neckarbecken haben. Das sind Arten, die in weiten Teilen Baden-Württembergs – insbesondere in den Mittelgebirgen – fehlen. Eine „Kompensation“ von Habitatverlusten in den dicht besiedelten, zersiedelten und intensiv genutzten genannten Naturräumen durch weniger stark unter dem Druck verschiedenster Begehrlichkeiten stehende Mittelgebirgsregionen ist für diese Arten nicht möglich. Hierzu gehören: Idaea muricata, Idaea subsericeata, Idaea rusticata. Der Vierpunkt-Kleinspanner (Scopula immorata) ist zwar weiter verbreitet als die drei Idaea-Arten, unterliegt aber als Bewohner frischen bis feuchten, zumindest teilweise ungenutzten Magergrünlands ebenfalls einer hohen Gefährdungsdisposition. Auf Naturraumebene ist S. immutata eine durch Nutzungsintensivierung akut gefährdete Art.

 

Erwähnenswert ist ferner die Eulenfalter-Art Noctua orbona (Schmalflügelige Bandeule). Nachweise der Art gibt es über das ganze Land zerstreut, Oberrheinebene und angrenzende Wärmegebiete (z.B. Kraichgau) bilden jedoch den Schwerpunkt der bodenständigen Verbreitung. Aktuelle Funde nach 2000 gibt es laut Landesdatenbank (www.schmetterlinge-bw.de) nur noch wenige (< 10). Es handelt sich also um eine ausgesprochen seltene Art, deren Lebensraumansprüche leider nur ungenügend bekannt sind.

 

Da die Art vergleichsweise oft in eher lichten Waldbeständen mit schwachwüchsiger Krautschicht gefunden wurde, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Larvalentwicklung in der Krautschicht des FVA-Versuchsgartens, dessen Struktur der eines lichten Waldbestandes nahekommt, stattgefunden hat.

 

 

 

 

 

2.4.3. Heuschrecken:

 

Es wurden 15 Heuschreckenarten nachgewiesen. Unter den nachgewiesenen Arten sind 20% oder 3 Arten Vorwarnlistenarten oder Rote Liste Arten der Roten Liste der Fang- und Heuschrecken des Landes Baden-Württemberg (1998). Insbesondere die Sumpfschrecke und Lauchschrecke sind in den feuchteren Anteilen der Grünlandbereiche vorhanden und unterstreichen den Wert als Lebensraumtyp. Einige der nicht gefährdeten Arten sind bei reichlichem Vorkommen Zeigerarten für extensiv genutzte und spät gemähtes Grünland oder Saumstrukturen. Insbesondere die Population des Grüne Heupferds ist in den FFH-Wiesen sehr individuenreich und stellt eine hervorragende Nahrungsbasis für Vögel dar. Die Funktion als Nahrungsraum könnte aufgrund der ansonsten überwiegend intensiv landwirtschaftlich genutzten Landschaft in der Umgebung des Untersuchungsgebietes einen essentiellen Charakter für einige Vogelarten und Fledermausarten haben.

 

Es folgt eine Übersicht zu den Rote Liste Arten und Vorwarnlistearten mit kurzer Beschreibung der Lebensraumansprüche. Diese Arten unterstreichen als Indikatoren die zumindest lokale naturschutzfachliche Bedeutung der Flächen von Haselwald-Spitzmatten. Zur Gruppe dieser lokal wertgebenden Arten gehören:

 

 

 

Feldgrille (Gryllus campestris)

 

Die Feldgrille lebt in selbstgegrabenen Röhren in den weniger feuchten Teilen des Untersuchungsgebietes und an den Rändern des Feuchtgrünlandes in allen Teilflächen.

 

 

 

Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) Rote Liste: stark gefährdet!

 

Diese flugfähige Art der Feucht- und Nasswiesen, sowie Seggenrieder und Blänken in Überschwemmungslandschaften gilt im Land und in der Region Südliche Oberrheinebene als „stark gefährdet“. Es ist eine hygrophile (feuchtigkeitsliebende) und überschwemmungstolerante Art. Wiesen, in denen die Sumpfschrecke lebt, sind wenig oder gar nicht gedüngt, aber regelmäßig gemäht.

 

 

 

Lauchschrecke (Parapleurus alliaceus) Diese Art besiedelt extensiv genutzte Feucht- und Nasswiesen. In manchen Gebieten ist die Art auch in trockeneren Habitaten wie Glatthaferwiesen, Halbtrockenrasen oder Ruderalflächen zu finden. Die Lauchschrecke ist ein Indikator für extensiv genutzte frische bis feuchte Mähwiesen in wärmegeprägten Regionen.

 

 

 

Quelle für FFH-LRT 65.10, Vögel, Reptilien, Amphibien, Schmetterlinge, Heuschrecken und Habitatbäume: "Projekt „Haselwald-Spitzmatten“ Faunistische Untersuchungen und Vegetation;  Dezember 2016, Stadt Emmendingen - Dipl. Biologe Carsten Brinckmeier, Bürogemeinschaft ABL Artenschutz Biotoppflege und Landschaftspflege"

 

 

 

2.4.4. Totholzkäfer:

 

Auf der FNP-Fläche Haselwald-Spitzmatten konnten mit der Untersuchung im Jahr 2016 insgesamt 134 Totholzkäferarten nachgewiesen werden. Davon sind 56 sogenannte wertgebende Totholzkäferarten. Diese haben entweder einen Status auf einer der Roten Listen oder sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

 

45 von 134 gefundenen Arten (=34 %) haben einen Status auf der Roten Liste der Käfer Deutschlands. Sechs dieser Arten gelten als vom Aussterben bedroht, 16 Arten als stark gefährdet und 23 Arten als gefährdet. Für die Rote Liste Baden-Württembergs wurden insgesamt 25 Arten nachgewiesen. Drei dieser Arten sind neu für Baden-Württemberg, zwei Arten gelten als vom Aussterben bedroht, sechs als stark gefährdet und 10 als gefährdet. Für zwei Arten ist eine Gefährdung anzunehmen und für zwei Arten gibt es nur eine defizitäre Datengrundlage.

 

 

 

Für sechs Arten trägt Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung.

 

Es kommen 14 nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten aus den Familien der Bockkäfer (Cerambycidae), der Prachtkäfer (Buprestidae), der Schröter (Lucanidae) und der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) im Untersuchungsgebiet vor. Mit dem Körnerbock (Megopis scabricornis) und dem Eichenbuntkäfer (Clerus mutillarius) haben außerdem zwei streng geschützte Arten ihren Lebensraum auf der Fläche.

 

Unter den wertgebenden Arten befinden sich neun Arten des Zielartenkonzeptes. Der Erlenprachtkäfer (Dicerca alni) und der Körnerbock (Megopis scabricornis) gehören zur Landesartengruppe A. Dies sind vom Aussterben bedrohte Arten, für deren Erhalt umgehend Artenhilfsmaßnahmen erforderlich sind. Der Eichenbuntkäfer (Clerus mutillarius), der Bunte Eschen-Prachtkäfer (Anthaxia podolica), der Pilzkäfer Triplax lepida und der Marmorierte Goldkäfer (Protaetia lugubris) sind der Landesartengruppe B zuzuschreiben. Der Halsplattkäfer Lathropus sepicola, der Schienenkäfer Isorhipis melasoides und der Rindenkäfer Colydium elongatum sind Naturraumarten. Letztere sind Zielarten mit besonderer regionaler Bedeutung und mit landesweit hoher Schutzpriorität

 

Der Erlenprachtkäfer (Dicerca alni), der Körnerbock (Megopis scabricornis) und der Plattkäfer (Pediacus dermestoides) sind Urwaldreliktarten der Kategorie 2. Sie sind dadurch ausgezeichnet, dass sie nur ein reliktäres Vorkommen innerhalb Deutschlands haben, an die Kontinuität der Strukturen der Alters- und Zerfallsphasen gebunden sind und hohe Ansprüche an die Totholzqualität und -quantität aufweisen. Außerdem sind ihre Populationen in kultivierten Wäldern verschwindend oder ausgestorben.

 

Die Auswertungen der Daten zu den xylobionten Käfern bezeugen die Fläche Haselwald-Spitzmatten als ökologisch hochwertigen Stadtlebensraum mit heterogenen Landschaftsstrukturen und einer Fülle unterschiedlicher Totholzangebote für eine vielzahl von Arten mit diversen Habitatansprüchen.

 

Aufgrund des Vorkommens sehr vieler wertgebender Totholzkäferarten, insbesondere mehrerer besonders und zwei streng geschützter Arten, von neun Arten des Zielartenkonzeptes und von drei Urwaldreliktarten kommt dem Gebiet eine überörtliche und regionale Bedeutung zu.

 

 

 

Quelle: Fachgutachten zur Wertigkeit der xylobionten Käferfauna der Grünfläche „Haselwald-Spitzmatten“ in Emmendingen, 2016, Landschaftsökologische Gutachten und Biotoppflege (LÖGB) Jochen Schünemann

 

GEbietsbeschreibung

Der überwiegende Teil des Biotops besteht aus einer blütenreichen Wiese die durch vereinzelte Baum- und Gebüschgruppen fragmentiert ist. Hier finden sich unter anderem Hasel-, Erlen-, Weiden-, Eichen-, Eschen- und Kirschgehölze und Strauchelemente wie Weißdorn, Geißblatt, Hartriegel, Liguster, Schlehe und Brombeere. Der nördliche Teil des Gebietes wird begrenzt von einem geteerten Weg und vom Brettenbach. Hier findet sich eine Allee mit überwiegend Linden- und Kastanienbäumen mit Höhlen- und Mulmstrukturen. Entlang des Baches erstreckt sich ein Galeriewald mit Erlen, Weiden, Eschen, Hasel, Platanen, Eichen, Robinien und einigen mächtigen Pappeln, die Totholz- und Höhlenstrukturen aufweisen. Im östlichen Teil befindet sich die Samenplantage der FVA Freiburg. Hier finden sich locker gepflanzte Eschen, Erlen, Ulmen und Elsbeeren.

Historische Entwicklung des Gebietes

Die Flächen von Haselwald-Spitzmatten gehörten ursprünglich zum Zentrums für Psychiatrie und wurden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Zum Schutz des Grundwassers wurde die Fläche seit 1988 als Grünland bewirtschaftet. Mittlerweile sind artenreiche Wiesen aufgeblüht, die sich zukünftig zu ökologisch noch wertvolleren Beständen entwickeln können. Durch die Renaturierung des Brettenbachs wurde ein Biotopverbund geschaffen, der seltenen und geschützen Arten Lebensraum bietet, etwa Neuntöter, Storch, Feldgrille und Eisvogel.

Die Biotopgestaltung wurde als Ausgleich für Bauprojekte an anderen Orten finanziert und durchgeführt.

 

Das Besondere an einer Wiese

Magere Flachlandmähwiesen bieten mit ihrer Vielzahl an Kräutern, dem lückigen Aufbau und einer ausgeprägten Vertikalstruktur Lebensraum für viele Tierarten z.B. Vögel, Tagfalter, Heuschrecken. Die mageren Flachlandmähwiesen tragen mit ihrem Blütenreichtum zur Bereicherung des Landschaftsbildes bei und sind zusätzlich von kulturhistorischer Bedeutung. Da die badenwürttembergischen Flachlandmähwiesen eine besondere Artenausstattung besitzen und in ihren Ausprägungen besonders vielfältig sind, kommt ihnen eine europaweit herausragende Bedeutung zu.

 

Seit 1994 ist ein Rückgang der Fläche und eine qualitative Verschlechterung bei den Mageren Flächlandmähwiesen durch die Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung und Bebauung zu verzeichnen. Die traditionelle Nutzung dieses Lebensraumtypes als Heuwiese ist ohne Förderung nicht mehr rentabel.

Der Vergleich der Mähwiesenkartierung 2016 mit den Ergebnissen aus der vorangegangenen Kartierung im Jahr 2004 zeigt, dass ein bedeutender Teil der Wiesenflächen inzwischen nicht mehr die Voraussetzungen für eine Erfassung als LRT 65.10 erfüllt. So konnten insgesamt 20 Wiesenflächen auf rund 2,4 ha Fläche nicht mehr als Lebensraumtyp Magere Flachlandmähwiese erfasst werden.

 

In der Gebietskullise des FFH-Gebietes "7813-341 Schwarzwald zwischen Kenzingen und Waldkirch" ist mit nur 4 ha dieser für unsere Landschaft wichtige Biotoptyp unterrepresentiert. Meist handelt es sich hierbei um kleine Restflächen, die von landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen umgeben sind.

Durch ihre Größe an zusammenhängenden Flachlandmähwiesen ist diese Fläche einmalig in der Gegend und sollte vor Verschlechterung geschützt werden.